Geschichte der Immanuelkirche
Ein kurzer geschichtlicher Abriss der Geschichte der Immanuelkirche in Unterdürbach
Zur Entstehung der Kirche
von Weihnachten 1946 bis zur Einweihung
„Als wir 1930 in Unterdürrbach ein Einfamilienhaus bauten, waren wir die einzige evangelische Familie im Dorf. (...) 1935, als bereits 5 evangelische Schulkinder vorhanden waren, ließ Herr Pfr. Rieger den 1. Religionsunterricht halten. (...) Weihnachten 1946 wagte man auch den Gottesdienst im Kindergarten. 11 Personen waren anwesend, eine alte Kommode diente als Altar, Bierflaschen, die hinter Blumen versteckt wurden, als Kerzenhalter. Die Kerzen stammten noch aus dem Luftschutzkeller. Es war eine armselige Zeit, aber wir waren glücklich. (...) 1953 wurde Unterdürrbach Herrn Pfr. Stahl zugeteilt, er betreute uns mit seiner Frau bis zu seiner Pensionierung 1960. Die Gemeinde nahm zu. Wir hatten schon 30 Schulkinder. Es kamen durchschnittlich 60-65 Erwachsene und 15-20 Kinder zum Gottesdienst. Darunter auch unsere treuen Oberdürrbacher, die kein Wetter und keinen Weg scheuten. Oft mussten sie bis zu den Knöcheln den Dreck durchwaten. Der Mütterkreis wurde gegründet und nach wiederholter Vorsprache unseres Pfarrers versprach man uns für 1960 ein Kirchlein. Herr Pfr. Stahl gründete deshalb den evangelischen Verein. Bald waren es 100 Mitglieder, bei denen ich alle Monate 50 Pfennig - 1 Mark kassierte. Inzwischen kam auch Familie Jäppelt und Frau Geißler nach Unterdürrbach, die mir nun hilfreich zur Seite standen. (...) Wir überlegten wie wir zu Geld kommen könnten. Es waren ja nur Flüchtlinge, Arbeiter und Rentner in unserer Gemeinde. Ab und zu haben wir zu gemütlichen Nachmittagen eingeladen. Da konnte man 1 Stück Torte mit Kaffee für 1 Mark bekommen. Wer keine Zeit hatte zu kommen, dem lieferten wir die Torte ins Haus für 70 Pfennig das Stück. (...) Es war eine schöne Zeit. Glaubten wir doch fest an den Kirchbau 1960. Leider wurden wir von einem Jahr zum andern vertröstet, obwohl wir den Bauplatz kostenlos zur Verfügung stellten. (...) Am 14. Dez 1965 hatten wir Grundsteinlegung und Richtfest zu gleich, und am 19. Juni 1966 konnten wir endlich einziehen. Etliche unserer treuen Gemeindeglieder, sie sich so sehr auf die Kirche freuten, konnten nicht mehr dabei sein, sie starben kurz vorher.(...) 16.000 Mark hatte die Gemeinde für den Kirchbau zusammengebracht.“(Aus dem Grußwort von Emma Hirt - Stifterin des Grundstücks - zur Einweihung der Kirche am 19.6.1966)
Planung und Bau der Immanuelkirche
Wie wichtig es den Gläubigen damals war, einen eigenen, nahe am Wohnort gelegenen Gottesdienstraum zu haben, zeigt eine kleine Zeitungsnotiz über eine Art Wohnwagenkirche, gefunden im Kirchenbauordner der Eheleute Hirt. (...) Am 3.12.1959 wurde von Pfr. Friedrich Brendel offiziell “Zur Besichtigung des von Familie Hirt, Unterdürrbach, gestifteten Platzes zur Erbauung einer evangelischen Kapelle” eingeladen, (...) im Juni 1963 wurde das Grundstück notariell für die evangelische Kirchengemeinde St. Johannis beurkundet.
Auf diese Grundstückstiftung vertrauend und dem Vorbild der Mutterkirche St. Johannis folgend, regte Pfr. Oskar Stahl an, zur Vorbereitung eines Kirchenbaus einen Evangelischen Gemeindeverein zu gründen. (...) Bereits am 4.6.1960 befanden sich 507.25 DM auf dem Kirchenbaukonto, 1962 schon 4450 DM. Viele Hände hatten mit angefaßt und die kleine Kirche Wirklichkeit werden lassen. (...) Die 250 Mitglieder des Kirchenbauvereins trugen insgesamt für den Kirchenbau 17 000 DM an Spenden zusammen. (...) Nach sechs Jahren Planungszeit, verbunden mit großen Finanzierungswettläufen, konnte am 30.12.1964 bzw. am 18.5.1965 mit dem Bau begonnen werden - in den Unterlagen werden zwei Daten genannt. Die Grundsteinlegung wurde gleichzeitig mit dem Richtfest am 14.11.1965 gefeiert (...)
Aus der Mainpost vom 15.11.1965:“Die quadratische Kirche mit rund 100 Plätzen wurde aus Kalkbruchsteinen aufgemauert. Sie enthält im Erdgeschoß neben dem Kirchenraum eine kleine Sakristei. Entsprechend der Hanglage konnte eine kleine Empore geschaffen werden, die über einen Gemeindesaal zugänglich ist. Das Gebäude hat einen Grundriß von 7 mal 10 m für den Kirchenraum. Es wird ein Kanzelaltar gebaut, der von den Bänken umgeben ist. Die Pläne der Immanuel-Kirche stammen von Architekt Basler (Unterdürrbach) und Architekt Lexa (Würzburg) in Zusammenarbeit mit dem technischen Referat des Landeskirchenrates in München. Die Bauleitung hat das Bauamt der Evangelisch-Lutherischen Gesamtkirchenverwaltung Würzburg unter der Leitung von Architekt Kistner. Das Glasfenster über dem Kanzelaltar wurde von Gerd Jähncke (München) entworfen, von dem auch die Fenster in der St. Johanniskirche stammen.”
Am 19.6.1966 wurde die Kirche von Kreisdekan Oberkirchenrat Heinrich Koch eingeweiht. (...) Für den Innenausbau waren allein die Gemeindemitglieder zuständig. Sie waren froh über jede Spende oder über einen günstigen Kauf wie bei der gebrauchten Orgel.
Aus: Helga Rüdiger „Evangelisches Gemeindeleben in Oberdürrbach, Unterdürrbach und der Dürrbachau“, Juni 1996
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